ETFs

ETF – mit einer Investition breit streuen

In Wertpapiere zu investieren, ist in der Bundesrepublik noch weitgehend gleichbedeutend mit dem Kauf von Fonds, Aktien oder Zertifikaten und Anleihen, die der Bankberater als lukrativ angepriesen hat. Damit ist zumindest der erste Schritt getan, das eigene Anlagekonzept auf eine breitere Basis zu stellen. Dass dabei mit Exchange Traded Funds (ETF) ein Produkt übersehen wird, das für Einsteiger deutlich besser geeignet wäre und von der Kostenstruktur her günstiger ist, liegt am mangelnden Bekanntheitsgrad. Die börsennotierten Indexfonds stehen (noch) im Schatten klassischer Investmentfonds, sollten aber keinesfalls unterschätzt werden.

Idee und Geschichte – Was sind ETFs?

Ziel eines ETF ist es, einen Index komplett abzubilden, zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (DAX). Der Index dient nicht als Vergleichswert, dessen Performance es zu schlagen gilt, sondern als Grundlage. Das Konzept fußt auf der Aussage des französischen Mathematikers Louis Bachelier, dass die Wahrscheinlich, besser als der Markt zu sein, 50 Prozent beträgt. Diese Aussage aus dem Jahr 1900 ist immer noch gültig und wurde 1952 vom Nobelpreisträger Harry Markowitz aufgegriffen. In seinem Aufsatz "Portfolio Selection" bezeichnete er die Diversifikation – eine breite Streuung – als "Schüssel zur Feinabstimmung und Optimierung der Chance-Risiko-Struktur".

In Form eines Exchange Traded Funds wurde die Idee erstmals 1971 umgesetzt. Wells Fargo brachte den "Samsonite Pension Fund" auf den Markt, der die 1.500 Einzelwerte der New York Stock Exchange umfasste. 1975 folge mit dem "Vanguard 500" der erste indexbasierte Publikumsfonds für Privatanleger. Experten belächelten den ETF und warnten: "In Indexfonds anzulegen heißt, von vorneherein auf Mittelmäßigkeit zu setzen." Dass sie damit falsch lagen, beweist die Performance von ETF (siehe unten). In der Bundesrepublik wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen für ETF erst im Jahr 2000 geschaffen. Seither geht es auch hierzulande steil bergauf.

Jährliches Wachstum: über 40 Prozent – ETFs als Anlageklasse beliebt

Die rasante Entwicklung lässt sich am Investitionsvolumen ablesen. Im Jahr 2000 waren es nur 0,4 Milliarden Euro, im Jahr darauf schon drei Milliarden Euro und Ende 2012 bereits 229 Milliarden Euro. Alleine in der Zeit von 2011 bis 2012 wuchs das Volumen der in Deutschland gehandelten ETF von 157 auf 229 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von fast 46 Prozent. Mit einem ähnlich großen Sprung rechneten die Marktteilnehmer auch 2013. Europaweit lagen die Zuflüsse im vorigen Jahr bei 24 Milliarden Euro, so die Experten der Deutschen Bank und des britischen ETF-Marktforschers ETFGI. Das Fazit des ETF-Magazins (Ausgabe 1/2014, Seite 6): "Hierzulande waren Aktien-ETFs die mit Abstand beliebteste Anlagekategorie. In Bezug auf die Replikationsmethoden präferieren europäische Anleger dabei weiterhin physische, direkt replizierende ETFs anstatt synthetischer ETFs, die ihre Referenzindizes mit Hilfe von Wertepapier-Swaps abbilden."

Volumen der in Deutschland gehandelten ETFs
Jahr Volumen in Milliarden Euro
2000 0,4
2001 3
2002 5
2003 10
2004 16
2005 27
2006 48
2007 64
2008 81
2009 121
2010 158
2011 157
2012 229

Welche Arten von ETFs gibt es?

Replizierender oder synthetischer ETF?

Der Hinweis des ETF-Magazins auf direkt replizierende und synthetische Varianten, bedarf einer Erklärung. Kurz gefasst: ETF ist nicht gleich ETF. Im Laufe der Jahre wurde das Ursprungskonzept ein wenig gedehnt. Entstanden sind dabei unterschiedliche ETF-Typen:

  • Direkt oder voll replizierend: Der ETF umfasst alle Aktien des jeweiligen Indizes, etwa die 30 Werte des DAX.
  • Synthetisch: In einem synthetischen oder SWAP-ETF sind nur einige, teils auch gar keine Aktien des zugrunde liegenden Index enthalten. Stattdessen wird ein Vertrag mit einem sogenannten Swap-Kontrahenten, zum Beispiel einer Bank abgeschlossen. Der Swap stellt eine Vereinbarung der Vertragspartner dar, die Wertentwicklung des ETF-Portfolios gegen die Performance des Index zu tauschen. Zu diesem Mittel wird gegriffen, wenn der Index zu umfangreich ist, also zu viele Einzelwerte enthält, etwa der MSCI World-Index mit 1.800 Papieren. Oder es wäre zu teuer und damit performanceschädlich, die Wertpapiere einzeln zu kaufen.
  • Optimized Sampling: Statt tatsächliche alle Aktien (oder Renten oder Rohstoffe) zu kaufen, wird eine Auswahl getroffen. Sie beruht auf einem mathematischen Verfahren, das ein möglichst repräsentatives Abbild schaffen soll. Auch in dem Fall liegt der Grund in den teils zu umfangreichen Indizes.

Weiterhin wird danach unterschieden, ob es sich um Länderindizes, Regionen, Branchen, Strategieindizes, Rentenindizes oder Rohstoffindizes handelt. Zur Auswahl stehen inzwischen weit über 1.000 Exchange Traded Funds verschiedenster Couleur. Erweitert man den Rahmen, muss die Liste um die Exchange Traded Products (ETP) ergänzt werden. Hierzu gehören unter anderem ETC (Exchange Traded Commodities), die auf Rohstoffe setzen, und ETN (Exchange Traded Notes), die auf börsengehandelten Schuldverschreibungen basieren.

Welche Vorteile haben ETFs?

Stellt sich die Frage, warum in ETF investieren, wenn es doch ähnlich gelagerte Fonds gibt, die aktiv gemanagt werden? Die Börse Frankfurt liefert dazu in ihrem ETF-Handbuch gleich mehrere Argumente: ETF sind einfach, weil mit einem Kauf in einen gesamten Markt investiert wird. Sie sind transparent, weil man genau weiß, wie das Kapital angelegt wird. Für Anleger und Sparer besonders wichtig: Das Emittentenrisiko entfällt. ETF stellen ein Sondervermögen dar. Heißt: Das Vermögen des ETF ist vom Vermögen des Emittenten getrennt. Zudem werden Anleger an den Dividenden beteiligt, weisen ETF eine hohe Liquidität auf, können also problemlos wieder verkauft werden, und bieten eine hohe Risikostreuung.

Welche Kosten entstehen beim Kauf von ETFs?

Der wichtigste Vorteil von ETFs ist und bleibt jedoch die Kostenstruktur. Es gibt weder einen Ausgabeaufschlag noch eine Rücknahmegebühr. Bei Fonds macht dieser Posten bis zu fünf Prozent aus. Aber: Auch bei ETF müssen für den Kauf Gebühren bezahlt werden, die je nach Bank und Börsenplatz unterschiedlich hoch ausfallen und gerade bei kleineren Beträgen durchaus schwer wiegen. Wer mit überschaubaren Beträgen in ETF investieren möchte, fährt besser und wesentlich günstiger mit einem Sparplan bzw. ordert über ein Depot bei einem der zahlreichen Onlinebroker. Welche Orderkosten dabei entstehen und und bei welchem Broker man ETFs am günstigsten handeln kann, lässt sich schnell und einfach mit unserem Orderkostenrechner ermitteln:

Orderkosten von ETFs bei Onlinebrokern berechnen und vergleichen

Der Kostenblock, den viele gerne übersehen und der im Vergleich Fonds versus ETF den Ausschlag gibt, ist die Gesamtkostenquote (Total Expense Ration – TER). In ihr sind unter anderem die Verwaltungs- und die Managementkosten enthalten. Laut Deutschem Fondsverband BVI beträgt die TER bei Aktienfonds im Schnitt 1,6 Prozent, bei Rentenfonds etwa 0,9 Prozent, bei offenen Immobilienfonds rund 0,7 Prozent und bei Geldmarktfonds knapp 0,5 Prozent. Da ETFs nicht aktiv gemanagt werden, fallen die Kosten entsprechend niedriger aus. Die Börse Frankfurt kommt auf einen Durchschnittswert von 0,4 Prozent. Diese Differenz macht sich auf lange Sicht bemerkbar:

Kostenposition ETF (Börsenhandel Xetra) Aktiv verwalteter Fonds
(Börsenplatz Frankfurt)
Aktiv verwalteter Fonds
(Kauf über Fondsgesell.)
Grundgebühr 4,95 € 4,95 € entfällt
Provision 0,25% = 25 € 0,25 % = 25 € entfällt
Börsenplatzgebühr 0,95 € 2,95 € entfällt
Courtage entfällt 0,08 % = 8 € entfällt
Handelsspanne 0,05 % = 5 € 1,00 % = 100 € 3,00 % = 300 Euro
Anlagebetrag nach Gebühren 9.964,10 € 9.859,10 € 9.700,00 €
Laufende Kosten p.a. (TER) 0,17 % p.a. 1,82 % p.a. 1,82 % p.a.
Anlagebetrag nach 10 Jahren
(durchschnittliche Rendite 8% p.a.)
21.175,52 € 17.958,27 € 17.668,47 €
Einschließlich Erträge aus Dividenden
(Dividendenrendite: 2,5% p.a.)
26.630,19 € 22.663,84 € 22.298,11 €

Betrachtet man nur die Performance, sind ETFs Aktienfonds absolut ebenbürtig, oftmals sogar besser:

ETF 1 Monat 6 Monate 1 Jahr

ETFs Europa

0,03% 8,14% 15,47%

Index (MSCI Europe)

0,11% 12,80% 34,06%

Fonds: Fidelity European Growth

-3,73% 3,58% 11,50%

Fonds: BGF European A2 EUR

-2,54% 7,52% 23,18%

ETFs sind ein Gewinn fürs Portfolio

Anleger, die eine breite Streuung wünschen und auf niedrige Kosten setzen, kommen nicht umhin, sich näher mit dem Thema ETF zu befassen. "Mit dem Einsatz von ETFs kann ein Wertpapierportfolio mit nur wenigen Transaktionen äußerst kostengünstig stark diversifiziert werden“, so die Börse Frankfurt, „Die Produkte bieten ein Höchstmaß an Transparenz in einem systematisch bestens strukturierten Anlage-Portfolio." Kurzum: ETF erlauben ähnlich wie Fonds einen unkomplizierten Einstieg in das Wertpapiergeschäft, ob als höhere Einmalinvestition oder über einen Sparplan. Der elementare Unterschied zu Fonds ist die Ausgabenseite. Dieser Kostenvorteil, gepaart mit der sehr guten Performance von ETF, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein echter Gewinn.