Noch schnell eine Lebensversicherung abschließen!

Freitag den 14.11.2014
Sicher im Alter ohne Altersarmut

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Zum Anfang des neuen Jahres ist es soweit: Der Garantiezins für Altersvorsorgeprodukte wie die Kapitalbildende Lebensversicherung, die Riester Rente, die Basisrente und Co. wird gesenkt. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres gilt noch ein Höchstrechnungszins von 1,75 Prozent. Ab 1. Januar 2015 wird der Garantiezins nur noch 1,25 Prozent betragen.

Viele Verbraucher stehen damit zum Ende dieses Jahres vor der großen Frage, ob sie noch eine Lebensversicherung abschließen sollen, bevor der Garantiezins sinkt. Oder ob sich der Abschluss heute bereits nicht mehr lohnt. Gleich zu Anfang kann man hierbei sagen: Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht, weil die Antwort darauf von Vertrag zu Vertrag, von Lebensversicherung zu Lebensversicherung unterschiedlich ausfallen kann. Oftmals macht es aber mehr Sinn noch in diesem Jahr tätig zu werden und eine Lebensversicherung abzuschließen, als bis zum kommenden Jahr zu warten.

Versicherer, Vertriebe und Makler drängen mittels Werbung zu Abschluß

„Nur noch bis 31.12. den höheren Garantiezins sichern“, „Jetzt noch schnell abschließen“ oder „Sichern Sie sich jetzt noch die höheren Zinsen“ (!!). Mit diesen und zahllosen anderen Sprüchen drängen Versicherer, Vertriebe und Makler die Verbraucher derzeit noch 2014 eine Lebensversicherung abzuschließen. Angesichts des massiven Werbedrucks stellt sich uns natürlich die Frage: Hat der Verbraucher wirklich einen Vorteil, wenn er 2014 noch abschließt oder geht es hier einem ganzen Versicherungsbereich nur darum, möglichst viele Verträge ins eigene Haus zu holen? Dazu betrachten wir das Thema Garantie- und Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung einmal genauer:

Garantiezins sinkt deutlich

Der Garantiezins ist der Zins, der Verbrauchern auf den Sparanteil (nicht die Gesamteinzahlungen!) einer Kapitallebensversicherung garantiert wird. Bis Ende 2013 betrug dieser 1,75 Prozent. 2015 wird er erneut gesenkt. In den vergangenen Jahren ging es bereits rapide bergab mit dem Höchstrechnungszins für Altersvorsorgeprodukte. Noch im Juni 2000 hatte der Garantiezins auf 4,00 Prozent gelegen. Im Juli des genannten Jahres sank er dann um 75 Basispunkte auf nur noch 3,25 Prozent. Im Januar 2004 folgte die nächste Senkung des Garantiezinses, diesmal um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent. Die nächste Garantiezins-Senkung folgte genau drei Jahre später auf den 1. Januar 2007 und erneut runter um 50 Basispunkte auf nur noch 2,25 Prozent.

Dann tat sich fünf Jahre lang nichts mehr bei diesem für die Altersvorsorge und dabei auch für die Kapitalbildende Lebensversicherung so wichtigen Zinssatz. Bis er zum 1. Januar 2012 um erneut 50 Basispunkte gesenkt wurde auf nur noch 1,75 Prozent. Die neuerliche Senkung des Garantiezinses auf kommendes Jahr ist eine weitere Folge der jahrelangen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die Versicherer können aus den Anlagen, die sie selbst tätigen, nicht mehr die Rendite erzielen, die sie benötigen, um ihren Versicherten einen hohen Garantiezins bieten zu können. Dieser Tatsache trug das Bundesfinanzministerium Genüge und fällte vor einigen Monaten die Entscheidung einer weiteren Senkung des Höchstrechnungszinses auf den 1. Januar 2015.

Überschussbeteiligung ist entscheidend

Viel wichtiger als der Garantiezins ist die Überschussbeteiligung, welche die Lebensversicherer ihren Policen zuweisen. Diese wird dem Garantiezins aufgeschlagen und ergibt zusammengerechnet die Gesamtverzinsung. Laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GdV) liegt die Gesamtverzinsung von Kapitallebensversicherungen 2014 bei ungefähr 3,40 Prozent.

Erhalten Versicherte mit niedrigerem Garantiezins auch niedrigere Gesamtverzinsung?

Hier stellt sich nun die Frage: Erhält ein Versicherungsnehmer, der 2014 noch seine Lebensversicherung abschließt und einen Garantiezins von 1,75 Prozent für sich beanspruchen kann, eine höhere Gesamtverzinsung als ein Versicherungsnehmer, der erst 2015 seine Lebensversicherung zum dann niedrigeren Garantiezins von 1,25 Prozent abschließt? Nein! Die Gesamtverzinsung beider Verträge ist gleich – vorausgesetzt sie fällt nicht unter den Garantiezins! Erst in diesem Fall würde der Verbraucher vom höheren Garantiezins profitieren. Sollte dies aber der Fall sein, ist es herzlich egal, ob Sie 1,25 oder 1,75 Prozent Zinsen garantiert bekommen. Für die Altersvorsorge würden sich beide Verträge bei dieser Verzinsung nicht mehr eignen. Stattdessen sollten Verbraucher lieber auf eine Fondspolice oder noch besser auf einen Fondssparplan bzw. ETF-Sparplan setzen.

Kapital bilden für die Zukunft

Nun könnte man natürlich sagen, Lebensversicherungen und andere Formen der Privaten Altersvorsorge lohnen sich anhand des bereits jetzt schon niedrigen Garantiezins nicht mehr. Doch dies wäre zu kurzsichtig gedacht, schließlich ist die Altersvorsorge aus der eigenen Tasche eine wichtige Sache, um sich vor einer späteren Altersarmut zu schützen.

Denn: Ja! Noch ist die Rente sicher! Aber immer mehr Menschen fallen in die Grundsicherung hinein. Wie das Statistische Bundesamt für 2013 berechnete, stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Empfänger von Grundsicherung über 65 Jahre um 7,4 Prozent auf mittlerweile 499.295 Personen an. Damit ist fast eine halbe Millionen Rentner in Deutschland auf die Grundsicherung angewiesen, weil ihre Rentenbezüge allein nicht mehr für den eigenen Lebensunterhalt genügen. Die Dunkelziffer ist hier überhaupt nicht eingerechnet, das heißt die Zahl der Bundesbürger, die aufgrund von Schamgefühl oder Unkenntnis über ihre Berechtigung dieser Leistungen keine Grundsicherung beantragt haben.

Versicherungsschutz privater Haushalte

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Dies ist ein Anstieg, der Erwerbstätige bedenklich stimmen sollte. Letztlich bedeutet es, dass die Gefahr an Altersarmut zu leiden immer mehr Rentner erreicht. Wenn dies in der Gegenwart bereits der Fall ist, wie wird dies in ein paar Jahren und Jahrzehnten sein? Noch sind die Renten sicher und die Rentenkasse ist gut gefüllt. Noch aber geht es uns wirtschaftlich auch gut, doch andere Zeiten könnten auf uns zukommen, wie die Wirtschaftsprognosen der jüngsten Zeit vermuten lassen. Dann wird es wichtig sein, privat für das Alter vorgesorgt und sich nicht nur auf die Gesetzliche Rentenversicherung verlassen zu haben.

Zinsen mit Garantie auf den Kapitalanteil

Den Garantiezins bei der Lebensversicherung und anderen Altersvorsorgeprodukten gibt es, wie irrtümlicherweise oft von den Versicherten vermutet, nicht auf den gesamten Beitrag, sondern nur für den Anteil, der das Kapital bei der Lebensversicherung und Co. bildet.

Dies bedeutet zwar nicht zugleich, dass die Senkung des Garantiezins auf den 1. Januar des kommenden Jahres weniger drastische Wirkung hat. Nur sollten sich Verbraucher, die eine Kapitalbildende Lebensversicherung oder Verträge über Riester Rente oder Basisrente abschließen und darüber Geld für ihre Private Altersvorsorge ansparen wollen, dessen bewusst sein.

Garantiezins plus Überschussbeteiligung machen die Musik

Wichtig ist aber nicht nur allein die Höhe des Garantiezins. Die zweite Geige spielt dabei die Überschussbeteiligung, die mit dem Höchstrechnungszins zusammengenommen die Musik macht. Nur beides zusammen zeigt bei einer Kapitalbildenden Lebensversicherung letztlich wie gut die Rendite aus dem entsprechenden Vertrag ist.

Dies gilt sowohl für Verträge, die noch in diesem Jahr und damit mit dem noch geltenden Garantiezins von 1,75 Prozent abgeschlossen werden können. Wie auch für Lebensversicherungen und Co., die ab 1. Januar des kommenden Jahres und damit mit dem neuen Garantiezins von nur noch 1,25 Prozent abgeschlossen werden.

Nicht vom Versicherungsvertreter überreden lassen!

Nun drängt die Zeit langsam aber sicher. Das Jahresende ist fast da und viele Versicherungsvertreter wollen auf den letzten Drücker noch Policen für die Kapitalbildende Lebensversicherung  und andere Altersvorsorgeprodukte verkaufen. Für Verbraucher, die in diesem Jahr noch eine Lebensversicherung oder Ähnliches abschließen möchten, bedeutet dies zugleich, sehr genau aufzupassen, was für ein Vertrag ihnen dann noch auf die Schnelle angedreht werden soll.

Viel wichtiger als schnell zu machen, ist es, die angebotene Police bzw. den angebotenen Vertrag genau durchzulesen. Wie oben bereits geschrieben, ist nicht nur der Garantiezins allein wichtig. Nicht minder wichtig ist die Höhe der Überschussbeteiligung, die auf das eingezahlte Kapital (nicht den eingezahlten Beitrag, siehe oben!) berechnet wird. Je höher die Kosten für den jeweiligen Vertrag sind, desto weniger Kapital wird angespart, was sich am Ende deutlich zeigt in dem, was man rausbekommt nach Ablauf des Vertrags. Sei es bei der Kapitalbildenden Lebensversicherung oder der Riester Rente etc.

Gründlich lesen ist deshalb wichtig, will man am Ende mit einer guten Lebensversicherung dastehen, die sich lohnt und für die Private Altersvorsorge wirklich geeignet ist. Viele gute Versicherungen dieser Art sind über das Internet zu finden, entsprechende Vergleichsrechner gibt es sowohl für Kapitalbildende Lebensversicherung wie für Riester Rente und Co.

Garantiezins 2015

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Gründlich vergleichen vor dem Abschließen

Vergleichen ist wichtig, bevor man einen so wichtigen und vor allen Dingen über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, laufenden Vertrag abschließt. Ein Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler, der schnell zum Abschluss drängt, sollte indes gut erklären können, wieso er es denn so eilig hat mit der Unterschrift seines Kunden unter den Vertrag. Hat er keine fachlich gute Antwort parat, kann man ihm getrost den Weg zur Tür weisen.

Viel eher als „Ja“ sollte man „Nein“ sagen und sich selbst auf die Suche nach einem guten Vertrag über eine Kapitalbildende Lebensversicherung oder Ähnliches begeben. Um am Ende die Versicherung zu haben, welche die Leistungen bietet, die man haben möchte. Ohne dass einem der Vertrag dazu aufgedrängt wurde, denn nicht immer ist das, was Vertreter anbieten, auch wirklich die bessere Wahl als beispielsweise Lebensversicherungen, die über Direktversicherungen abgeschlossen werden können.

Wie gut sind Lebensversicherungen ohne Garantiezins wirklich?

Im Zuge der Probleme mancher Lebensversicherer mit dem Garantiezins sind einige Versicherungen seit Mitte des vergangenen Jahres dazu übergegangen, Lebensversicherungspolicen ohne den Höchstrechnungszins anzubieten. Dies ist ihnen erlaubt, doch die Frage ist, ob sich solche Lebensversicherungen ohne Garantiezins wirklich lohnen?

Solche Produkte sind natürlich auf den ersten Blick sehr interessant. Aber sie bergen die große Gefahr, dass sich die ganze Sache mit der Kapitalbildung am Ende nicht gerechnet hat für den Versicherten. Bei der Lebensversicherung ohne Garantiezins erhalten die Versicherten lediglich die Garantie darüber, dass sie zum Ablauf des Vertrag die eingezahlten Bruttobeiträge zurückhalten.

Aber keine Versicherung garantiert bei solchen Verträgen die Höhe dessen, was sonst aus der Versicherung ausbezahlt wird. Das heißt es kann sein, dass beispielsweise die monatliche Mindestrente beim Vertrag der Allianz höher ausfällt als gedacht. Im schlimmsten Fall kann es sogar sein, dass die Mindestrente schlechter ausfällt wie erhofft und dies sogar deutlich.

Verbraucher, die mit einer bestimmten Auszahlung aus einem solchen Vertrag rechnen wollen, sollten daher in ein paar Jahren oder Jahrzehnten eher davon absehen, eine solche Versicherung ohne Garantiezins abzuschließen und lieber auf eine Kapitalbildende Lebensversicherung, Riester Rente oder Co. setzen, bei welchen der Garantiezins fest im Vertrag verankert ist.